Wie wirkt Ginseng?

Ginseng gehört zu den bedeutendsten Nahrungsergänzungsmitteln der traditionellen chinesischen TCM (Traditionelle chinesische Medizin). Er wird dort zur Aktivierung der Lebensenergie (Qi) eingesetzt. Die sehr gute Verträglichkeit bestätigte sich in der Anwendung seit Tausenden von Jahren in Asien und auch in neueren europäischen Studien. Die Unbedenklichkeit von Ginseng ist durch mehrere Langzeitstudien belegt, in denen Tagesdosen bis zu 7 g Ginseng verabreicht wurden. Darüber hinaus wird Ginseng seit Jahrtausenden in Asien auch langfristig und in wesentlich höheren Mengen als in Europa eingesetzt.“ (Schilcher und andere).

Ginseng verfügt über ein breites Wirkungsspektrum. Yance (2013) erläutert 29 Einsatzfelder von Ginseng. Ginseng ist die am meisten untersuchte Heilpflanze. Seine adaptogenen Eigenschaften sind seit langem anerkannt. Die „Erfinder“ des Adaptogenkonzepts, die russischen Wissenschaftler Lazarev und Brehkman, wurden durch Ginseng auf diese Klasse von komplexen Wirkstoffprofilen mit ihrer großen Bandbreite und Vielfalt von Wirkungen aufmerksam. Brehkman veröffentlichte 1957 das Buch „Ginseng“ in englischer Sprache. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Einnahme von Ginseng nachweisbare Wirkungen auf den Organismus aufweist. Brehkman war auch ein Langstreckenläufer. Er versuchte daher zu prüfen, ob Ginseng seine Ausdauer und körperliche Erschöpfung beeinflußt. Er machte folgenden Test:

  • An einem kalten Morgen im April 1948, begannen 100 Soldaten mit einem Rennen über drei Kilometer. Vor dem Rennen bekam die Hälfte der Teilnehmer einen Ginsengextrakt, die andere Hälfte ein Placebo. (Natürlich wussten die Ginsengleute nicht, daß ihnen Ginseng gegeben wurde.) Die Ginsengsoldaten absolvierten die Strecke im Durchschnitt 53 Sekunden schneller als die Placebogruppe. Diese Ergebnisse lagen weit jenseits der kühnsten Erwartungen von Brehkman. Zum ersten Mal hatte Brehkman und sein Forschungsteam den wissenschaftlichen Nachweis über die Wirksamkeit dieser uralten chinesischen Heilpflanze erbracht (Tabachnik & Dean, 1999).

Spätere Untersuchungen kamen zu vergleichbaren Erkenntnissen (siehe etwas Son u.a.).Bereits im Jahr 101 vor Christus war in einem chinesischen Handbuch zur Pflanzenheilkunde zu lesen, Ginseng „unterstütze die fünf wichtigsten Organe, beruhige die Nerven und den Geist, beende Krämpfe, vertreibe schlechte Geister, fördere die klare Sicht und verbessere das Gedächtnis“ (zitiert in Yance, S. 439). Diese aus Erfahrungen und Beobachtungen im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin gewonnenen Erkenntnisse, wurden durch die moderne Forschung immer wieder bestätigt und zeigen die Bedeutung von Erfahrungen bei der Prüfung der Wirksamkeit von natürlichen und hochkomplexen Wirkstoffkomplexen.

Anmerkung: Die jüngere sog. Systemtheorie liefert hierzu auch Grundlagen. Der Kybernetiker W. Ross Ashby stellte ein Grundgesetz der Systemforschung auf: Nur Vielfalt kann Vielfalt besiegen. Der menschliche Organismus ist von extremer Vielfalt, sein Funktionieren bis heute nicht vollständig geklärt. Wie kann man mit dieser Vielfalt umgehen? Ein Weg sind Wirkstoffkomplexe, die selbst höchst vielfältig sind, die sog. Adaptogene. Ginseng setzt sich etwa aus mehr als 200 Stoffen zusammen. Adaptogene zielen nicht primär auf ein bestimmtes Teilsystem im Organismus, etwa die Leber oder die neuronalen Zellen im Gehirn. Da sie vielfältig sind, können sie herausfinden, wo der Organismus Unterstützung benötigt, um sich zu erhalten.

 

Ginseng Wurzeln

Zum asiatischen Ginseng (Panax ginseng) gibt es eine große Zahl von Untersuchungen und Erfahrungsberichte. Yance (2013) nennt und belegt 29 Einsatzfelder. Ginseng ist eine der am längsten gebrauchten und untersuchten Heilpflanzen mit adaptogenen Eigenschaften. Mittlerweile ist die Anzahl der Untersuchungen auf über 5200 angewachsen. Die erste nicht-chinesische Untersuchung stammt im übrigen von dem deutschen Forscher A. Eckardt aus dem Jahr 1948. Panax Ginseng ist in der Tat das am meisten untersuchte Adaptogen. Die oft gehörte Aussage, wenig untersucht, keine Belege – ist schon längst hinfällig, zudem in China, wie berichtet, bereits vor zwei Jahrtausenden Erkenntnisse bekannt waren, welche die moderne Forschung nur bestätigen kann. Es gibt reichhaltige Erfahrungen, die ständig anwachsen aber wenig ausgewertet sind. Warum sollte die chinesische Elite vor vielen hundert Jahren den Preis von Ginseng mit einem dreifachen Gewicht von Gold aufgewogen haben? Warum sollten sie den Verzehr des „Geschenks der Götter“ für den normalen Menschen verboten haben? Für andere Adaptogene gilt im übrigen Vergleichbares. Der Pilz Reishi war so hoch geschätzt, begehrt, dass die chinesische Elite seinen Konsum für den normalen Menschen verbieten ließ. Das Besondere an der gesundheitsfördernden Wirkungsweise von Ginseng ist, daß die Wurzel und Blätter immer dort wirken, wo sie Schwachstellen im Körper finden.

  • Zur Wirkung von Ginseng möchten wir auf den ausgezeichneten Artikel von Dr. med. Klaus Mohr, „Heilpflanze zur Verbesserung der inneren Widerstandskraft“, erschienen in der Reformrundschau, verweisen. Klaus Mohr schildert die Wirkungen von Adaptogenen im Allgemeinen und erläutert dann detailliert die Wirkung von Ginseng auf die Gesundheit. Panax Ginseng ist ein Adaptogen. Es gibt dem Körper Energie für physische und geistige Tätigkeiten. Es erhöht die Widerstandskraft des Organismus, Müdigkeit, Nervenkrisen, Angstzuständen und stärkt das Immunsystem. Die Zellen im Körper freuen sich daher auf Ginseng. Machen sie Ärger, auch hier hilft Ginseng (Qi u.a.).
     
  • Die Energieproblematik steht im Zentrum der orientalischen Sichtweise des Funktionierens eines Organismus. Ein Ungleichgewicht im Energiefluss ist die Quelle vielfältiger Probleme (siehe hierzu etwa Servan-Schreiber und seine Beobachtungen. Er führt tibetanische Mediziner an). Diese Sichtweise überschneidet sich mit der Stresstheorie und der Homoöostase der modernen Biologie. Chronischer Stress beschädigt das Gleichgewicht im Körper. Ginseng versucht die Homöostase wieder zurückzugewinnen.

  • Das liegt an der adaptogenen Eigenschaft von Ginseng. Ein "Adaptogen" ist ein komplexes Naturprodukt (Pflanze oder Pilz), das dem Körper erlaubt, sich besser den jeweiligen Erfordernissen und Herausforderungen, insbesondere Stress anzupassen, indem es die Körperfunktionen selbständig in Einklang bringt und den Körper hilft, gesund zu bleiben. Adaptogene helfen dem Menschen mit höherer körperlicher und geistiger Ausdauer und Vitalität zu leben, die körperlichen Kosten von Stressoren einzuschränken, unsere regenerativen körperlichen wie mentalen Fähigkeiten zu erhalten oder wenn geschwächt, zu erneuern. Immer mehr Menschen „dopen“ sich im Arbeitsleben. Sie wollen ihre Leistung steigern oder weniger schnell ermüden. Man fragt sich, warum sie nicht Ginseng nehmen – anstelle Geld für „Drogen“ auszugeben, Nebenwirkungen einzuhandeln, abhängig zu werden. Zudem kostet Ginseng weniger. (Zur körperlichen und geistigen Leistungssteigerung von Ginseng siehe den unten angeführten Artikel von Kaneko & Nakanishi.) Warum viele Menschen aller Altersgruppen chemische „Stimulanzen“ mit ihren vielen Nebenwirkungen einnehmen, bleibt erstaunlich, zumal Ginseng im Vergleich zu diesen mindestens genauso gut wirkt, nebenwirkungsarm ist, viel weniger kostet.

  • Eine gute Darstellung der adaptogenen Eigenschaften von Ginseng, auch im Vergleich mit Rhodiola, gibt Vignutelli. Er bestätigt die unten angeführten Wirkungen von Ginseng auf den Organismus.

  • Ginseng stärkt das Immunsystem (Lee u.a.), mit vielfältigen Auswirkungen auf die Funktionstüchtigkeit des Körpers. Zu diesem Wirkungsbereich gibt es bereits 94 wissenschaftliche Untersuchungen. Die beiden jüngsten von Suzuki u.a .(2015) und Yennurajalingam (2015).

  • Eine Fülle von Studien belegt, daß und wie Panax Ginseng die Leistungskraft des Gehirns erhält bzw. seinen Abbau mit dem Altwerden aufhält (Überblick in Yance, 210-211). Warum auch jüngere Menschen sog. Neurohenhancer einnehmen, um ihre geistige Leistung zu verbessern und Arbeitsstress entgegenzuwirken, zeigt die Unkenntnis über natürliche Wirkstoffe wie Ginseng.

  • Ginseng gilt als natürlicher Kraftspender oder Energiespender und kann somit bei der Hilfe von Übergewichtigkeit helfen. Dadurch, daß er Energie bereitstellt, sich verstärkt zu bewegen (Lee u.a., 2014).

  • Wer Probleme mit seinem Sex hat, danke Ginseng. Für Frauen ist American Ginseng der ideale biologische Partner. Für diesen Bereich haben pharmazeutische Unternehmen versucht, die Sexualkraft von Ginseng in Medikamente umzusetzen und damit umgehend Proteste ausgelöst.

  • Die Wirkung von Ginseng gegen Müdigkeit ist gut bekannt und umfassend belegt. Auch bei durch körperlichen Verwerfungen bewirkter Müdigkeit, kann Ginseng helfen. „Ginseng kann die Müdigkeit verringern und besitzt eine signifikant positive Auswirkung auf die Lebensqualität“ (Etemadifar u.a. , 2013). Für den Nachweis, Ginseng helfe bei Müdigkeit, auch chronischer, sind viele Untersuchungen verfügbar, etwa Kim u.a. (2013) mit vielen Belegen.

  • Wer Problem mit seinem Glukose- oder Zuckermetabolismus hat, dem kann Ginseng beistehen (Fatmawati u.a, 2014).

Zusammengefasst: Ginseng wirkt somit, wie andere Adaptogene auch, auf den und im gesamten Organismus. Das Gehirn freut sich besonders. Es lebt auf, kann sich konzentrieren, seine Leistungsvermögen steigt – bestätigt durch klinische Studien (Vignutelli).

 

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Literaturverzeichnis:

Auf welche Quellen stützen sich die oben gemachten Aussagen? Dem Leser sei gesagt, daß Teepower die neueste wissenschaftliche Literatur zu Heilpflanzen, insbesondere Adaptogenen, ständig auswertet. Ginseng ist das am meisten erforschte adaptogene Heilkraut. Über 5000 Artikel allein in Englisch (Stand Mitte 2015). 

Interessant ist, Forschungsbeiträge von koreanischen Wissenschaftlern zu lesen. Wir kennen keinen, der den sog. Roten Ginseng nicht über den Himmel lobt bzw. der zum Roten kritische Andeutungen macht. Vorsicht ist somit angebracht. Leider ist selbst bei einem so bekannten Heilkraut wie Ginseng der Informationsstand bescheiden. Die jüngere Forschung ist selten bekannt. Irrtümer und Vorurteile bleiben verbreitet.

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Dharmananda Subhuti: The Nature of Ginseng: From Traditional Use to Modern Research

Etemadifar , M. u.a., Ginseng in the treatment of fatigue, Int J Neurosci. 2013 Jul;123(7):480-6

Fatmawati S, Ersam T, Yu H, Zhang C, Jin F, Shimizu K: 20(S)-Ginsenoside Rh2 as aldose reductase inhibitor from Panax ginseng, Bioorg Med Chem Lett. 2014 Sep 15;24(18):4407-9.

Im, DS & Nah SY: Yin and Yang of ginseng pharmacology: ginsenosides vs gintonin, Acta Pharmacol Sin. 2013 Nov;34(11):1367-73

Kim, Dong-Hyun: Chemical diversity of Panax ginseng, J Ginseng Research, 36 (1): 1-15.

Kim HG1, Cho JH, Yoo SR, Lee JS, Han JM, Lee NH, Ahn YC, Son CG., Antifatigue effects of Panax ginseng C.A. Meyer: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial, PLoS One. 2013 Apr 17;8(4).

Lee, CH & Kim, JH: A review on the medicinal potentials of ginseng and ginsenosides on cardiovascular diseases, J Ginseng Res. 2014 Jul;38(3):161-6.

Mohr, Klaus: „Heilpflanze zur Verbesserung der inneren Widerstandskraft“, erschienen in der Reformrundschau. 

Klaus Mohr hat im Übrigen ein bemerkenswertes Buch geschrieben, welches wir nur empfehlen können: Naturheilkunde für den Alltag, 4. Auflage, 2006.

Qi F, Zhao L, Zhou A, Zhang B, Li A, Wang Z, Han J, The advantages of using traditional Chinese medicine as an adjunctive therapy in the whole course of cancer treatment instead of only terminal stage of cancer, Biosci Trends. 2015 Feb;9(1):16-34.

Schilcher, Heinz, Susanne Kammerer, Tankred Wegener, unter Mitarbeit von Daniela Volkmann, Leitfaden Phytotherapie, 2007.

Servan-Schreiber, David: Die Neue Medizin der Emotionen. Stress, Angst, Depression. Gesund werden ohne Medikamente. 12. Auflage, Goldman, 2006.

Shergis JL, Zhang AL, Zhou W, Xue CC: Panax ginseng in randomised controlled trials: a systematic review, Phytother Res. 2013 Jul;27(7):949-65.

Son, E.H. und andere: Effects of Korean Ginseng and wild simulated cultivation ginseng for muscle strength and endurance, Korean Journal of Plant Research, 2o12, 25 (6): 657-663.

Suzuki T, Yamamoto A, Ohsawa M, Motoo Y, Mizukami H, Makino T., Ninjin'yoeito and ginseng extract prevent oxaliplatin-induced neurodegeneration in PC12 cells, J Nat Med. 2015 May 27.

Tabachnik, B. & Dean, W.: Adaptogens: Natural protection for stress maladaptions and recovery. 1999

Vignutelli, Alberto: Adaptogene: Die Wissenschaft hinter dem Konzept. Zwei Beispiele: Panax ginseng und Rhodiola rosea. 2009.

Winston, David & Maimes, Steven: Adaptogens. Herbs for strength, stamina and stress relief, 2007.

Yance, Donald, Adaptogens in medical herbalism, Rochester: Healing Arts Press, 2013.

 

Das Folgende ist anzufügen:

Ginseng ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Es dient weder der Prävention und Diagnose, noch der Therapie von Krankheiten. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

Alle Angaben ohne Gewähr. Jegliche Verwendung über den privaten Gebrauch hinaus bitte nur mit Genehmigung von Adaptogenics. Dies schließt die Abbildungen ein. Jegliche Haftung, insbesondere für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die Nutzung des angebotenen Wissensstoffes entstehen, sind ausgeschlossen. Wir übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier zur Verfügung gestellten Informationen. Copyright Adaptogenics.

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Wie wirkt Ginseng?

Ginseng gehört zu den bedeutendsten Nahrungsergänzungsmitteln der traditionellen chinesischen TCM (Traditionelle chinesische Medizin). Er wird dort zur Aktivierung der Lebensenergie (Qi) eingesetzt. Die sehr gute Verträglichkeit bestätigte sich in der Anwendung seit Tausenden von Jahren in Asien und auch in neueren europäischen Studien. Die Unbedenklichkeit von Ginseng ist durch mehrere Langzeitstudien belegt, in denen Tagesdosen bis zu 7 g Ginseng verabreicht wurden. Darüber hinaus wird Ginseng seit Jahrtausenden in Asien auch langfristig und in wesentlich höheren Mengen als in Europa eingesetzt.“ (Schilcher und andere).

Ginseng verfügt über ein breites Wirkungsspektrum. Yance (2013) erläutert 29 Einsatzfelder von Ginseng. Ginseng ist die am meisten untersuchte Heilpflanze. Seine adaptogenen Eigenschaften sind seit langem anerkannt. Die „Erfinder“ des Adaptogenkonzepts, die russischen Wissenschaftler Lazarev und Brehkman, wurden durch Ginseng auf diese Klasse von komplexen Wirkstoffprofilen mit ihrer großen Bandbreite und Vielfalt von Wirkungen aufmerksam. Brehkman veröffentlichte 1957 das Buch „Ginseng“ in englischer Sprache. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Einnahme von Ginseng nachweisbare Wirkungen auf den Organismus aufweist. Brehkman war auch ein Langstreckenläufer. Er versuchte daher zu prüfen, ob Ginseng seine Ausdauer und körperliche Erschöpfung beeinflußt. Er machte folgenden Test:

  • An einem kalten Morgen im April 1948, begannen 100 Soldaten mit einem Rennen über drei Kilometer. Vor dem Rennen bekam die Hälfte der Teilnehmer einen Ginsengextrakt, die andere Hälfte ein Placebo. (Natürlich wussten die Ginsengleute nicht, daß ihnen Ginseng gegeben wurde.) Die Ginsengsoldaten absolvierten die Strecke im Durchschnitt 53 Sekunden schneller als die Placebogruppe. Diese Ergebnisse lagen weit jenseits der kühnsten Erwartungen von Brehkman. Zum ersten Mal hatte Brehkman und sein Forschungsteam den wissenschaftlichen Nachweis über die Wirksamkeit dieser uralten chinesischen Heilpflanze erbracht (Tabachnik & Dean, 1999).

Spätere Untersuchungen kamen zu vergleichbaren Erkenntnissen (siehe etwas Son u.a.).Bereits im Jahr 101 vor Christus war in einem chinesischen Handbuch zur Pflanzenheilkunde zu lesen, Ginseng „unterstütze die fünf wichtigsten Organe, beruhige die Nerven und den Geist, beende Krämpfe, vertreibe schlechte Geister, fördere die klare Sicht und verbessere das Gedächtnis“ (zitiert in Yance, S. 439). Diese aus Erfahrungen und Beobachtungen im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin gewonnenen Erkenntnisse, wurden durch die moderne Forschung immer wieder bestätigt und zeigen die Bedeutung von Erfahrungen bei der Prüfung der Wirksamkeit von natürlichen und hochkomplexen Wirkstoffkomplexen.

Anmerkung: Die jüngere sog. Systemtheorie liefert hierzu auch Grundlagen. Der Kybernetiker W. Ross Ashby stellte ein Grundgesetz der Systemforschung auf: Nur Vielfalt kann Vielfalt besiegen. Der menschliche Organismus ist von extremer Vielfalt, sein Funktionieren bis heute nicht vollständig geklärt. Wie kann man mit dieser Vielfalt umgehen? Ein Weg sind Wirkstoffkomplexe, die selbst höchst vielfältig sind, die sog. Adaptogene. Ginseng setzt sich etwa aus mehr als 200 Stoffen zusammen. Adaptogene zielen nicht primär auf ein bestimmtes Teilsystem im Organismus, etwa die Leber oder die neuronalen Zellen im Gehirn. Da sie vielfältig sind, können sie herausfinden, wo der Organismus Unterstützung benötigt, um sich zu erhalten.

 

Ginseng Wurzeln

Zum asiatischen Ginseng (Panax ginseng) gibt es eine große Zahl von Untersuchungen und Erfahrungsberichte. Yance (2013) nennt und belegt 29 Einsatzfelder. Ginseng ist eine der am längsten gebrauchten und untersuchten Heilpflanzen mit adaptogenen Eigenschaften. Mittlerweile ist die Anzahl der Untersuchungen auf über 5200 angewachsen. Die erste nicht-chinesische Untersuchung stammt im übrigen von dem deutschen Forscher A. Eckardt aus dem Jahr 1948. Panax Ginseng ist in der Tat das am meisten untersuchte Adaptogen. Die oft gehörte Aussage, wenig untersucht, keine Belege – ist schon längst hinfällig, zudem in China, wie berichtet, bereits vor zwei Jahrtausenden Erkenntnisse bekannt waren, welche die moderne Forschung nur bestätigen kann. Es gibt reichhaltige Erfahrungen, die ständig anwachsen aber wenig ausgewertet sind. Warum sollte die chinesische Elite vor vielen hundert Jahren den Preis von Ginseng mit einem dreifachen Gewicht von Gold aufgewogen haben? Warum sollten sie den Verzehr des „Geschenks der Götter“ für den normalen Menschen verboten haben? Für andere Adaptogene gilt im übrigen Vergleichbares. Der Pilz Reishi war so hoch geschätzt, begehrt, dass die chinesische Elite seinen Konsum für den normalen Menschen verbieten ließ. Das Besondere an der gesundheitsfördernden Wirkungsweise von Ginseng ist, daß die Wurzel und Blätter immer dort wirken, wo sie Schwachstellen im Körper finden.

  • Zur Wirkung von Ginseng möchten wir auf den ausgezeichneten Artikel von Dr. med. Klaus Mohr, „Heilpflanze zur Verbesserung der inneren Widerstandskraft“, erschienen in der Reformrundschau, verweisen. Klaus Mohr schildert die Wirkungen von Adaptogenen im Allgemeinen und erläutert dann detailliert die Wirkung von Ginseng auf die Gesundheit. Panax Ginseng ist ein Adaptogen. Es gibt dem Körper Energie für physische und geistige Tätigkeiten. Es erhöht die Widerstandskraft des Organismus, Müdigkeit, Nervenkrisen, Angstzuständen und stärkt das Immunsystem. Die Zellen im Körper freuen sich daher auf Ginseng. Machen sie Ärger, auch hier hilft Ginseng (Qi u.a.).
     
  • Die Energieproblematik steht im Zentrum der orientalischen Sichtweise des Funktionierens eines Organismus. Ein Ungleichgewicht im Energiefluss ist die Quelle vielfältiger Probleme (siehe hierzu etwa Servan-Schreiber und seine Beobachtungen. Er führt tibetanische Mediziner an). Diese Sichtweise überschneidet sich mit der Stresstheorie und der Homoöostase der modernen Biologie. Chronischer Stress beschädigt das Gleichgewicht im Körper. Ginseng versucht die Homöostase wieder zurückzugewinnen.

  • Das liegt an der adaptogenen Eigenschaft von Ginseng. Ein "Adaptogen" ist ein komplexes Naturprodukt (Pflanze oder Pilz), das dem Körper erlaubt, sich besser den jeweiligen Erfordernissen und Herausforderungen, insbesondere Stress anzupassen, indem es die Körperfunktionen selbständig in Einklang bringt und den Körper hilft, gesund zu bleiben. Adaptogene helfen dem Menschen mit höherer körperlicher und geistiger Ausdauer und Vitalität zu leben, die körperlichen Kosten von Stressoren einzuschränken, unsere regenerativen körperlichen wie mentalen Fähigkeiten zu erhalten oder wenn geschwächt, zu erneuern. Immer mehr Menschen „dopen“ sich im Arbeitsleben. Sie wollen ihre Leistung steigern oder weniger schnell ermüden. Man fragt sich, warum sie nicht Ginseng nehmen – anstelle Geld für „Drogen“ auszugeben, Nebenwirkungen einzuhandeln, abhängig zu werden. Zudem kostet Ginseng weniger. (Zur körperlichen und geistigen Leistungssteigerung von Ginseng siehe den unten angeführten Artikel von Kaneko & Nakanishi.) Warum viele Menschen aller Altersgruppen chemische „Stimulanzen“ mit ihren vielen Nebenwirkungen einnehmen, bleibt erstaunlich, zumal Ginseng im Vergleich zu diesen mindestens genauso gut wirkt, nebenwirkungsarm ist, viel weniger kostet.

  • Eine gute Darstellung der adaptogenen Eigenschaften von Ginseng, auch im Vergleich mit Rhodiola, gibt Vignutelli. Er bestätigt die unten angeführten Wirkungen von Ginseng auf den Organismus.

  • Ginseng stärkt das Immunsystem (Lee u.a.), mit vielfältigen Auswirkungen auf die Funktionstüchtigkeit des Körpers. Zu diesem Wirkungsbereich gibt es bereits 94 wissenschaftliche Untersuchungen. Die beiden jüngsten von Suzuki u.a .(2015) und Yennurajalingam (2015).

  • Eine Fülle von Studien belegt, daß und wie Panax Ginseng die Leistungskraft des Gehirns erhält bzw. seinen Abbau mit dem Altwerden aufhält (Überblick in Yance, 210-211). Warum auch jüngere Menschen sog. Neurohenhancer einnehmen, um ihre geistige Leistung zu verbessern und Arbeitsstress entgegenzuwirken, zeigt die Unkenntnis über natürliche Wirkstoffe wie Ginseng.

  • Ginseng gilt als natürlicher Kraftspender oder Energiespender und kann somit bei der Hilfe von Übergewichtigkeit helfen. Dadurch, daß er Energie bereitstellt, sich verstärkt zu bewegen (Lee u.a., 2014).

  • Wer Probleme mit seinem Sex hat, danke Ginseng. Für Frauen ist American Ginseng der ideale biologische Partner. Für diesen Bereich haben pharmazeutische Unternehmen versucht, die Sexualkraft von Ginseng in Medikamente umzusetzen und damit umgehend Proteste ausgelöst.

  • Die Wirkung von Ginseng gegen Müdigkeit ist gut bekannt und umfassend belegt. Auch bei durch körperlichen Verwerfungen bewirkter Müdigkeit, kann Ginseng helfen. „Ginseng kann die Müdigkeit verringern und besitzt eine signifikant positive Auswirkung auf die Lebensqualität“ (Etemadifar u.a. , 2013). Für den Nachweis, Ginseng helfe bei Müdigkeit, auch chronischer, sind viele Untersuchungen verfügbar, etwa Kim u.a. (2013) mit vielen Belegen.

  • Wer Problem mit seinem Glukose- oder Zuckermetabolismus hat, dem kann Ginseng beistehen (Fatmawati u.a, 2014).

Zusammengefasst: Ginseng wirkt somit, wie andere Adaptogene auch, auf den und im gesamten Organismus. Das Gehirn freut sich besonders. Es lebt auf, kann sich konzentrieren, seine Leistungsvermögen steigt – bestätigt durch klinische Studien (Vignutelli).

 

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Literaturverzeichnis:

Auf welche Quellen stützen sich die oben gemachten Aussagen? Dem Leser sei gesagt, daß Teepower die neueste wissenschaftliche Literatur zu Heilpflanzen, insbesondere Adaptogenen, ständig auswertet. Ginseng ist das am meisten erforschte adaptogene Heilkraut. Über 5000 Artikel allein in Englisch (Stand Mitte 2015). 

Interessant ist, Forschungsbeiträge von koreanischen Wissenschaftlern zu lesen. Wir kennen keinen, der den sog. Roten Ginseng nicht über den Himmel lobt bzw. der zum Roten kritische Andeutungen macht. Vorsicht ist somit angebracht. Leider ist selbst bei einem so bekannten Heilkraut wie Ginseng der Informationsstand bescheiden. Die jüngere Forschung ist selten bekannt. Irrtümer und Vorurteile bleiben verbreitet.

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Dharmananda Subhuti: The Nature of Ginseng: From Traditional Use to Modern Research

Etemadifar , M. u.a., Ginseng in the treatment of fatigue, Int J Neurosci. 2013 Jul;123(7):480-6

Fatmawati S, Ersam T, Yu H, Zhang C, Jin F, Shimizu K: 20(S)-Ginsenoside Rh2 as aldose reductase inhibitor from Panax ginseng, Bioorg Med Chem Lett. 2014 Sep 15;24(18):4407-9.

Im, DS & Nah SY: Yin and Yang of ginseng pharmacology: ginsenosides vs gintonin, Acta Pharmacol Sin. 2013 Nov;34(11):1367-73

Kim, Dong-Hyun: Chemical diversity of Panax ginseng, J Ginseng Research, 36 (1): 1-15.

Kim HG1, Cho JH, Yoo SR, Lee JS, Han JM, Lee NH, Ahn YC, Son CG., Antifatigue effects of Panax ginseng C.A. Meyer: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial, PLoS One. 2013 Apr 17;8(4).

Lee, CH & Kim, JH: A review on the medicinal potentials of ginseng and ginsenosides on cardiovascular diseases, J Ginseng Res. 2014 Jul;38(3):161-6.

Mohr, Klaus: „Heilpflanze zur Verbesserung der inneren Widerstandskraft“, erschienen in der Reformrundschau. 

Klaus Mohr hat im Übrigen ein bemerkenswertes Buch geschrieben, welches wir nur empfehlen können: Naturheilkunde für den Alltag, 4. Auflage, 2006.

Qi F, Zhao L, Zhou A, Zhang B, Li A, Wang Z, Han J, The advantages of using traditional Chinese medicine as an adjunctive therapy in the whole course of cancer treatment instead of only terminal stage of cancer, Biosci Trends. 2015 Feb;9(1):16-34.

Schilcher, Heinz, Susanne Kammerer, Tankred Wegener, unter Mitarbeit von Daniela Volkmann, Leitfaden Phytotherapie, 2007.

Servan-Schreiber, David: Die Neue Medizin der Emotionen. Stress, Angst, Depression. Gesund werden ohne Medikamente. 12. Auflage, Goldman, 2006.

Shergis JL, Zhang AL, Zhou W, Xue CC: Panax ginseng in randomised controlled trials: a systematic review, Phytother Res. 2013 Jul;27(7):949-65.

Son, E.H. und andere: Effects of Korean Ginseng and wild simulated cultivation ginseng for muscle strength and endurance, Korean Journal of Plant Research, 2o12, 25 (6): 657-663.

Suzuki T, Yamamoto A, Ohsawa M, Motoo Y, Mizukami H, Makino T., Ninjin'yoeito and ginseng extract prevent oxaliplatin-induced neurodegeneration in PC12 cells, J Nat Med. 2015 May 27.

Tabachnik, B. & Dean, W.: Adaptogens: Natural protection for stress maladaptions and recovery. 1999

Vignutelli, Alberto: Adaptogene: Die Wissenschaft hinter dem Konzept. Zwei Beispiele: Panax ginseng und Rhodiola rosea. 2009.

Winston, David & Maimes, Steven: Adaptogens. Herbs for strength, stamina and stress relief, 2007.

Yance, Donald, Adaptogens in medical herbalism, Rochester: Healing Arts Press, 2013.

 

Das Folgende ist anzufügen:

Ginseng ist ein Nahrungsergänzungsmittel. Es dient weder der Prävention und Diagnose, noch der Therapie von Krankheiten. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

Alle Angaben ohne Gewähr. Jegliche Verwendung über den privaten Gebrauch hinaus bitte nur mit Genehmigung von Adaptogenics. Dies schließt die Abbildungen ein. Jegliche Haftung, insbesondere für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die Nutzung des angebotenen Wissensstoffes entstehen, sind ausgeschlossen. Wir übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier zur Verfügung gestellten Informationen. Copyright Adaptogenics.

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